Archiv der Kategorie: Laufen

Ich habe keine Kohle mehr*

*Kurzform für: Ich habe vor, keine Kohlenhydrate mehr zu essen.

Eine Woche noch bis zum Marathon. Trainingsmäßig ist die Vorbereitung bereits durch, die letzte Woche dient eher dazu, sich zu schonen, Energiereserven aufzubauen und sich auf den Marathon zu freuen. Bei einer ordentlichen Vorbereitung fällt sowas recht leicht, glaub ich. Bei meiner holprigen und lückenhaften Vorbereitung sieht es anders aus. Zwei Erkältungen, akute Unlust und Zeitmangel haben in den letzten Wochen dafür gesorgt, dass von den 12 anvisierten Trainingswochen netto vielleicht 5-6 rausgekommen sind. Im Klartext: Ich bin nicht optimal fit!
Nun denke ich aber nicht im Entferntesten daran, deswegen den Marathon sausen zu lassen, geschweige denn mein Ziel – unter vier Stunden zu bleiben – zu korrigieren. Aber was dann tun? Vor ein paar Tagen habe ich von den Eltern meiner besseren Hälfte einen Zeitungsartikel weitergeleitet bekommen, der sich mit der nahrungsseitigen Vorbereitung auf einen Marathon beschäftigt. Dort wird empfohlen, in den letzten sechs Tagen vor dem Marathon auf jegliche Kohlenhydrate zu verzichten, um dann am Tag vor dem Marathon mit einer wahren Nudel-Flut dem Körper übermäßig viele Kohlenhydrate zu geben, auf dass er sie besser verwerten kann. Klasse Idee, easy umzusetzen (dachte ich)! Es sei an dieser Stelle allerdings explizit gesagt, dass es nicht ganz unbedenklich ist. Man läuft Gefahr, dass der Körper die Umstellung von Kohlenhydrate-Energie hin zu Fett-Energie, zurück zu Kohlenhydrate-Energie mit Magenverstimmungen quittiert. Ich werde berichten…
Jedenfalls habe ich gestern ausm (noch nicht verstimmten) Bauch heraus entschieden, diese Schiene zu fahren: Keine Kohlenhydrate mehr! Ich hätte es sofort revidiert, wenn ich in Biologie besser aufgepasst hätte und mir präsent gewesen wäre, dass Zucker (dass Zeug, was ich gerne mit etwas Kaffee trinke) auch zu den Kohlenhydraten gehört. Wisst ihr eigentlich, wie fies Espresso ohne Zucker schmeckt?!? Wisst ihr, dass jegliche Backwaren (Brötchen wie Kuchen) pure Kohlenhydrate sind? Wisst ihr, was für ein blödes Gesicht ihr innerlich macht, wenn ihr abends bei ner Firmenfeier nen Caipi trinken wollt und es nicht klappt, euch selber glaubhaft zu machen, dass Caipi keinen Zucker enthält? Man hat’s nicht leicht…
Egal, ich zieh das durch und in ner Woche bin ich schlauer und weiß, was es gebracht hat.

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Vorerst ausgelaufen

„Erst groß rumtönen von wegen jeden Lauf bloggen und dann Funkstille, war ja klar“. Ganz so, wie es scheint, ist es nicht. Noch kann ich stolz behaupten, jeden Lauf vom Trainingsplan auch gebloggt zu haben, nur: Ich lauf aktuell nicht! Stimmt nicht ganz, weil mittlerweile lauf ich wieder. Aber nach dem letzten langen Lauf hat mich eine Erkältung flachgelegt, so dass ich eine Woche ruhiggestellt war. Eigentlich war es wahrscheinlich nicht mal der lange Lauf. Der Lauf davor im strömenden Regen war wahrscheinlich der Auslöser. Vorgestern bin ich nun das erste Mal wieder gelaufen, heute das zweite Mal, aber das sind mit Leistungen, die es nicht wert sind, hier gezeigt zu werden (ich will ja auf meinem Blog glänzen und kein Mitleid sammeln). Man ist fast erschrocken, wie sehr die Kondition sich binnen einer Woche abbaut (und im Umkehrschub die Fettpölsterchen auf 🙂 ). Aber genauso schnell, wie sie geht, kommt sie auch wieder, sagt man. Eine Woche trainingsfrei kostet eine zusätzliche Woche, um wieder den alten Fitnessstand zu erreichen. Daher gehe ich jetzt mal davon aus, dass ich nächsten Montag wieder in den Trainingsplan einsteige. Bis dahin versuche ich mit schnellen und Steigerungsläufen, verlorene Fitness wettzumachen. Spaß bringt das nicht, aber das hat auch niemand behauptet…


Übermut tut selten gut

Die erste Laufwoche des Trainingsplans sollte mit einem langen Lauf über 22km abgeschlossen werden. Im Gegensatz zu den restlichen Läufen dieser Woche war dies endlich mal kein schneller Lauf. Es ging lediglich darum, 22km mit Puls 122-139 zu laufen. 22km sah ich dabei nicht als die große Herausforderung, da ich nun schon mehrfach 20km mit höherem Puls gelaufen bin. Das Einhalten des Pulses bis 139 Schlägen war schon schwieriger. Allerdings war das eher eine Frage von Disziplin als von körperlicher Anstrengung. Und daran sollte ich dann auch später scheitern…
Für diesen Lauf hatte ich mir zwei Routen überlegt. Eine sollte recht stupide den Neckar entlang Richtung Heidelberg-Wieblingen gehen und dann nach 11km zurück. Die andere, weitaus reizvollere Route, war eine leicht modifizierte Strecke des Halbmarathons. Nachteil: Die verlief ziemlich komplett in den Bergen. Dass ich dabei den Vorgabepuls von 139 kaum halten kann, war mir klar. Aber es war so reizvoll…
Im Gegensatz zum letzten Lauf ließ mich das Wetter heute im Trockenen laufen. Leider war es ein wenig kühler, wogegen ich mich aber mit einer zusätzlichen Schicht Klamotten zu wehren wusste. Am Anfang ging es kurz Richtung Neckargemünd, um dann aber schon bei der Schleuse über den Neckar und dann Richtung Heidelberg zu laufen. Nach wenigen Kilometern kam dann die Stelle, an der ich mich entweder für den langweiligen Weg am Neckar entlang oder den reizvolleren Weg die Berge hoch entscheiden musste. Das is schon so ne Sache mit der Selbstdisziplin… Die Steigung am Wolfsbrunnenweg scheint mir steiler geworden zu sein seit dem Halbmarathon letztes Jahr. Und wie befürchtet ham sie in der Zwischenzeit den Stand mit dem Freibier abgebaut :-(. Dafür hatte ich hier aber die absolute Läuferruhe, kaum eine Seele unterwegs. Irgendwann kam das Schloss ins Blickfeld und ich genoß den Ausblick über Heidelberg. Unten in der Altstadt wühlte ich ein paar Touris auf und überquerte die gut gefüllte Alte Brücke, von wo aus ich einen Blick auf den Neckar hatte, der in der Nacht über die Ufer getreten war. Auf der anderen Uferseite war ebenfalls reger Touri- und Joggerverkehr und so freute ich mich, als ich endlich an den Fuß des Philosophenweges kam. Aber auch hier war (oh Wunder) am Sonntag Rushhour angesagt. Beim Hochlaufen wurde mir schlagartig klar, wieso unten am Fluss so viele junge Leute joggen: Die älteren Menschen laufen alle den Philosophenweg hoch und runter! Ich war erstaunt, generell so viele Läufer da oben anzutreffen aber noch überraschter, dass es fast ausschließlich die gehobenere Altersklasse ist.
Je weiter ich nach oben kam, desto weniger Leute traf ich an und desto mehr spürte ich auch meine Beine. An und für sich ok, dachte ich. Ich bin ja auch schon mehr als ne Stunde gelaufen. Allerdings waren bis hierher erst knapp 12 von 22km gelaufen, es stand also noch ein gutes Stück Arbeit vor mir. Und wieder kam die Frage der letzten Läufe in meinem Kopf hoch: „Wie soll ich das eigentlich schaffen?“, nur dieses Mal spürte ich eine Zuversicht in mir, dass es gehen würde. Das kam wahrscheinlich daher, dass ich die generelle Meinung vertrete, dass man fast immer laufen kann, egal wie k.o. man ist. Das ist dann nicht unbedingt schnell, aber man kommt voran. Und so war ich recht zuversichtlich, diesen Lauf zuende bringen zu können.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kam der höchste Punkt der Strecke und es ging wieder bergab. Was aber erst einmal recht angenehm klingt, war so schön dann doch nicht. Eine müde Muskulatur ist nicht gerade begeistert, wenn sie einen menschlichen Körper daran hindern soll, beim Abwärtslaufen nicht zu schnell zu werden. Folge: Die Oberschenkel brannten lichterloh. Zum Glück hielt dieser Brand aber nicht lang an, ich erreichte nämlich das Kloster Stift Neuburg. Hier hatte ich die verführerische Möglichkeit, weiter runter zum Neckar und dann an ebendiesem zurück nach Ziegelhausen zu laufen. Mein blöder Ehrgeiz (den ich nächstes Mal zu Hause lasse) lenkte aber links ein und es ging wieder hoch in Richtung Köpfel, wofür er von beiden Oberschenkeln den Mittelfinger kassierte. Oben angekommen überkam mich der Ansatz von Freude: Keine Steigung mehr bergauf laufen in diesem Lauf! Ab hier ging es nur noch bergab, was aber bei genauerer Betrachtung des Zustands meiner Oberschenkel nicht wirklich Grund zur Freude war. Aber egal, da wollte ich nun durch. Um mich abzulenken beim Runterlaufen fing ich wieder meine Rechenspielchen an: „Um auf 22km zu kommen, muss ich, wenn ich unten bin, noch einmal über die Brücke Richtung Orthopädie, dann nochmal…“. Wenn man seine eigene Schmerzgrenze schon lange überschritten hat und die Oberschenkel schon so schmerzbetäubt sind, dass sie „Vetorecht“ nicht mal mehr buchstabieren geschweige denn schreien können, fallen einem solche Rechenspielchen recht leicht und man ist geneigt zu überlegen, nochmal schnell nach Neckargemünd zu laufen und die Distanz auf 25km hochzuschrauben… An dieser Stelle danke an den letzten Funken Vernunft, der zu diesem Zeitpunkt die Fahne der Zurechnungsfähigkeit in mir hochhielt. Nach einigem Hin- und Hergespringe über den Neckar erreichte ich schließlich nach 2:23 die 22km-Marke und ich wanderte mehr k.o. als glücklich nach Hause.
Jetzt, einen Tag später betrachtet, war das Laufen der Halbmarathonstrecke vielleicht nicht die beste Idee, denn ich lag heut mit Kopf- und Halsschmerzen sowie leicht erhöhter Temperatur zu Hause im Bett. Aber ich denke nicht, dass es von der Streckenführung kam sondern eher vom Freitaglauf bei Regen, der in mir eine Erkältung züchtete, die ich Sonntagmorgen noch nicht spürte, die dann aber durch die Belastung beim Laufen wuchs und gedieh. Abseits dessen war es aber ein schöner Lauf, weil es auf der Strecke größtenteils ruhig war und die Steigungen eine echte Herausforderung darstellten. Aber als Teil des Trainingsplans war die Strecke dann doch nicht geeignet.

4. Lauf Langer Lauf


Im Rausche der Geschwindigkeit

3. Lauf lockerer Dauerlauf

Die Arbeitswoche ist rum und der dritte Lauf meiner Trainingsplanes steht an. Auf dem Programm steht 60min lockerer Dauerlauf mit drei Steigerungsläufen im Anschluss.
Dazu vorweg eine kleiner Kommentar von mir: Ich weiß ja nicht, ob die Macher des Trainingsplans bei der Nomenklatur dem Praktikanten die Chance geben wollten, sich kreativ auszutoben. Auf jeden Fall kann ich mir nicht erklären, wieso diese Kasperbacke diesen Lauf „lockerer Dauerlauf“ getauft hat. LOCKERER DAUERLAUF! Dauerlauf ja, wenn man es denn überhaupt schafft. „Lockerer Dauerlauf mit erzwungenen Unterbrechungen, weil die Lunge schon lange ausgestiegen ist und die Beine einem ’nen Vogel zeigen würden, wenn sie könnten (scheitert am nicht vorhandenen Zeigefinger)“ wäre die passendere Bezeichnung. Und was daran dann noch locker sein soll, sehe ich auch nicht wirklich. Das kann man mal locker vergessen! Soviel dazu…
Nun zurück zum sachlichen Teil: Ich hatte bei meinem ersten Lauf ja fälschlicherweise angenommen, dass ich bei einem lockeren Dauerlauf meinen Puls bis ca. 155 hochtreiben sollte, was ja auch gut klappte. Der Laktattest am Dienstag zeigte nun aber auf, dass der Bereich für den lockeren Dauerlauf erst bei 155 anfängt und sich bis 163 erstreckt. Daher auch meine leichte Verwirrung um den Begriff „locker“ im Namen des Laufes. Ich für meinen Teil laufe auf jeden Fall nicht locker eine Stunde lang mit Puls 160. Das wusste ich vorher schon und nun habe ich auch den Beweis.
Aber der Reihe nach: Das Wetter meinte es gut mit mir und stellte mir Regen eine sehr gute Kühlung zur Verfügung. Ich entschied mich dieses Mal für etwas total verrücktes, nämlich nicht Richtung Heidelberg sondern Richtung Neckargemünd zu laufen, dort den Neckar zu überqueren, dann nach Heidelberg dem Fluss folgend und Höhe Karlstor wieder über den Neckar und ab nach Hause (revolutionär, wa?). Sollte mit Ach und Krach passen für nen 60min-Lauf bei höherer Geschwindigkeit. Der Streckenlauf spielte mir hier in sofern nicht in die Karten, als dass ich kurz nach dem Einlaufen und Erreichen des SOLL-Pulses eine leichte Bergab-Passage nach Neckargemünd rein erreichte. Versucht mal, bergab den Puls hochzuhalten, ohne gleich zu sprinten! Klappte aber irgendwie bei einem ziemlich coolen Geschwindigkeitsgefühl :-). Rüber über den Neckar und den Fluss lang Richtung Heidelberg. Ich war gerade erst 8min mit SOLL-Puls gelaufen und fragte mich jetzt schon, wie ich das durchhalten sollte. Ich hatte eine Geschwindigkeit von knapp über 5:00min/km (=12km/h), die sich in der Folge noch erhöhen sollte. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt bereits sicher, dass ich das nicht 60min lang werde durchhalten können und fing an, mir zu überlegen, ob ich die Strecke verkürze, nachdem ich irgendwann abbrechen würde oder ob ich die Route beibehalte und nur die Geschwindigkeit drossle. Derweilen lief ich weiter und kämpfte mich von Kilometer zu Kilometer bzw. von 10min-Block zu 10min-Block. Irgendwann kam eine kritische Stelle, die Ziegelhäuser Brücke. Kritisch, weil ich hier nach bereits beachtlichen 8km (6km davon schnell) bzw. 41min (30min davon schnell) nicht abgeneigt war, über die Brücke direkt nach Hause zu laufen. Aber irgendein Rindvieh in mir ließ mich weiterlaufen, „wenigstens ein Stück noch“. Die nächste Überquerungsmöglichkeit, die Brücke am Karlstor, schien hier noch endlos weit weg, aber ich versuchte, noch ein wenig weiterzulaufen. Nach ner gefühlten Ewigkeit (andere sprechen von 18min) erreichte ich die Brücke, ein psychologischer Meilenstein! Von hier an geht’s nach Hause, von hier an kenne ich die Strecke von zig anderen Läufen und kann sie gut einschätzen. Im Kopf fing ich schon an, auszurechnen, wo ich nach 60min sein werde, ob die Distanz ausreicht oder ich an meiner Wohnung vorbeilaufen muss. Aber es sah gut aus. Solche Rechenspielchen lenken immer sehr effektiv ab. Beim Überqueren der Brücke merkte meine rechte Wade an, dass sie – wenn gewünscht – jetzt bereit wäre zu krampfen. Ich konnte es ihr zum Glück noch ausreden, verabschiedete mich aber zeitgleich von den geplanten drei Steigerungsläufen am Ende der 60min. Die Aussicht an dieser Stelle, dass ich nur noch 11min zu laufen hätte, beflügelten mich jedoch und ich konnte weiterhin (was ich schon seit einigen Minuten für nen Traum hielt) die Geschwindigkeit von ca. 4:50min/km halten. Die restliche Zeit war dann nur noch ein runterbeten der Minuten und herbeisehnen des Endes. Noch nie habe ich mich so sehr darauf gefreut, einfach nur locker zu traben und mit jedem Schritt freute ich mich mehr auf den langen Lauf am Sonntag, bei dem hohe Geschwindigkeit keine Rolle spielen wird.
Dann, nach 14,3km (12,4km davon schnell), waren die 60min endlich geschafft. Ich gebe zu, ich war ein wenig stolz auf mich und ein ziemlich überrascht von mir, dass ich diese Leistung, die ich anfangs für undenkbar hielt, vollbracht habe. Es war definitiv ein Lauf, der mir einiges abverlangt hat und ich glaube, mit solch einem Geschwindigkeitsdruck bin ich noch nie gelaufen. Der Regen sorgte am Ende dafür, dass ich keine trockene Faser mehr an meinem Körper hatte, alles war durchnässt. Das ist im Lauf eigentlich kein Problem, wird aber beim Auslaufen schnell unangenehm und ich hoffe, ich bin dabei nicht zu sehr runtergekühlt.
Ich tank jetzt ein Weizen alkoholfrei und sinniere nochmal über das Wort „locker“…


Kleine dreckige Fahrtspiele…

2. Lauf Fahrtspiel

Heute stand der zweite Trainingslauf aus dem Marathontrainingsplan auf dem Programm. Das Drehbuch sah 60min Fahrtspiel vor.
Fahrtspiel? Was das? Unter Fahrtspiel versteht man das Variieren der Geschwindigkeit während des Laufes. Man geht dabei aber nicht wie beim Intervalllauf einer Vorgabe nach sondern variiert frei Schnauze, allerdings mit dem Ziel, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit am Ende der eines normalen Laufes gleicht. Klingt schwierig, stellt sich aber irgendwie ein (oder auch nicht). Die große Herausforderung dabei ist in meinen Augen, sich nicht gleich am Anfang zu verausgaben, sondern auch nach 60min noch nen Sprint oder schnellen Abschnitt hinlegen zu können. Hierfür ist es auf jeden Fall von Vorteil, seinen Körper und seine Leistungsfähigkeit zu kennen. Wer sie nicht kennt, wird sie spätestens nach dem Lauf besser kennengelernt haben. Als Geschwindigkeiten bietet sich alles von lockerem Traben bis hin zum Sprint an. Je höher der Puls kommt und gehalten werden kann, desto besser (war jedenfalls meien Devise). Ich hatte einige schnelle Abschnitte mit Geschwindigkeiten von 4:30-4:00min/km eingebaut, die ich erstaunlich lange laufen konnte. Auch schnellere Abschnitte von kontinuierlich 5:00min/km mit abschließendem Sprint gingen erstaunlich gut. Die langsamen Abschnitte liefen aber auch nicht schlecht.
Unter’m Strich war ich erstaunt, dass ich nach dem ersten Lauf vorgestern und dem Laktat-Test gestern heute schon wieder fit genug war. Lag möglicherweise daran, dass meine Freundin gestern meinem Betteln nachgab, zum Abendessen Nudeln zu kochen (vielen Dank, mein Deern 😉 ). Nun werde ich morgen den lauffreien Tag genießen, bevor übermorgen dann der Lauf ansteht.


Laktat-Test

Um nicht Gefahr zu laufen (Vorsicht, Doppeldeutigkeit!), für einen Marathon zu trainieren und dann beim Wettbewerb erschöpft zusammenzubrechen, weil ich falsch trainiert habe, habe ich mich gestern einem Laktat-Test unterzogen. Und was soll ich euch sagen? Ich habe bestanden!
Scherz beiseite, ich wollte wissen, wie es um meine Lauffitness und meine Pulsbereiche bestimmt ist. Dazu ging ich ins Fitnesscenter meines Vertrauens und traf dort auf Gregor, der mit mir diesen Test durchführen durfte. Der Ablauf ist relativ simpel und recht schnell erzählt: Ich lauf jeweils 4min auf dem Laufband bei einer definierten Geschwindigkeit. Danach wird mir Blut abgenommen, um den Laktatwert zu messen. Danach geht es wieder für 4min aufs Laufband, dieses Mal wird die Geschwindigkeit aber um 1,5km/h erhöht. Dann wieder runter, Blut abnehmen, Laktat messen, wieder rauf etc. etc. Ende ist dann entweder, wenn ich sage, dass ich nicht mehr erhöhen möchte oder nicht mehr kann oder wenn ich kollabiere (worst Case). Wir fingen bei 6km/h an (schnelles Gehen quasi). Fux wie ich bin bin ich zum Test mit langer Jogginghose gekommen, was eine tolle Idee ist, wenn man hohe Geschwindigkeiten laufen soll und das nicht draussen in freier Natur und Wetter sondern drinnen aufm Laufband und bei schwacher Klimaanlage machen darf. Schweiß, was willste mehr?!?
Ich erspare euch jetzt den haarsträubenden und beeindruckenden Bericht vom Lauf in den einzelnen Geschwindigkeiten (speziell 6km/h und 7,5km/h würde euch vom Hocker hauen), nur soviel: Es ist abartig! Versucht mal, 4min 15km/h zu laufen. Das treibt euch den Puls in Regionen, wo kein Gras mehr wächst. Die Lunge ist da auch schon ausgestiegen, man atmet nur noch auf Milz. Ach ja, und man schwitzt, egal ob mit langer oder kurzer Hose. Aber irgendwann ist man hat man es geschafft, darf auslaufen und sich dann die Ergebnisse am PC ansehen. Das sah bei mir dann wie folgt aus:

Laktat-Testergebnis

 

Was erzählt das Testergebnis nun?
Kernaussage für mich ist, dass mein Körper von aerober Verbrennung zur anaeroben Verbrennung bei einem Puls von 165 umschaltet. Ausserdem kenne ich nun die Pulsbereiche, bei denen ich die einzelnen Läufe aus dem Trainingsplan laufen sollte. Ich kann nun also die Belastung im Training genau so steuern, wie ich sie brauche. Will ich nun also am Wochenende einen langen Lauf machen, sollte mein Puls nicht über 139 steigen. Will ich meine Ausdauer im hohen Geschwindigkeitsbereich trainieren, sollte ich meinen Puls in den Bereich knapp unter 165 bringen.

Wieder was dazu gelernt…


Der Countdown läuft…

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Peng, das war der Startschuss. Heute war Tag 1 meines Trainingsplanes für den Hamburg Marathon. Der Trainingsplan sieht insgesamt 46 Läufe vor über einen Zeitraum von 12 Wochen. Macht also nach Adam Riese ca. vier Läufe pro Woche. Ich habe mir fest vorgenommen, alle Läufe hier auf meinem Blog zu veröffentlichen und zu kommentieren (wenn es mal nicht klappt, war der Lauf zu anstrengend).

Heute also Lauf 1.
Der Plan sieht als Einstieg vor, dass ich 50 min einen lockeren Dauerlauf hinlege. Hört sich für einen Laien vielleicht nicht ganz nach Marathontraining an, aber erstens ist es das doch und zweitens ist es ja erst der Anfang :-). Damit ihr einschätzen könnt, was das auf meine (trainierte oder untrainierte) Person bezogen bedeutet: Lockerer Dauerlauf laufe ich ca. mit Puls 150, was recht hoch ist und von mir bei Geschwindigkeiten von 5:30 min/km (=11km/h) erreicht wird. Ich meine, das kann man mal laufen und ich bin es auch schon mehrfach gelaufen, allerdings nicht über 50min, daher habe ich keinen blassen Schimmer, ob ich das schaffen werde. Aber da stelle ich mich einfach blöd und stur und vertraue auf den Plan: Wenn der sagt, dass ich das kann, dann wird das wohl so sein.
Ich entscheide mich für meine Hausstrecke den Neckar entlang Richtung Heidelberg. Ich schätze, dass ich bei 50min Laufzeit und Puls 150 ungefähr 25min laufe, hinter der Alten Brücken umdrehe und zurücklaufe. Dazugerechnet werden muss noch das Einlaufen (man startet ja nicht aus’m Stand mit Puls 150; ich jedenfalls nicht), wofür ich mal ungefähr einen Kilometer einplane. Die (erste) Herausforderung hierbei sehe ich darin, am Anfang nicht zu schnell zu laufen und zu schnell auf den gewünschten Puls zu kommen, weil das ziemlich viel Energie frisst, die man im Zweifel später noch gebrauchen kann.

Ich starte also frohen Mutes und ausreichend warm gekleidet. Es ist netterweise trocken, aber kühl (2°C) und bereits dunkel. Wie geplant, versuche ich langsam loszulaufen. Klappt natürlich wieder einmal nicht. Ich denke mir immer wieder, dass beim Laufen das A und O die Selbstdisziplin ist. Blöd nur, wenn man diese Erkenntnis dann nicht in der Praxis anwendet. so bin ich nach ca. 800m schon bei Puls 145 und starte die Pulsuhr. Ich pendel mich anfangs auf recht schnelle 5:15 min/km und Puls 148 ein. Nach ca. 16 min breche ich ein wenig ein und laufe nur noch 5:45min/km. Das Schöne daran, wenn der Puls vorgegeben ist, ist die Tatsache, dass man sich kaum überanstrengen kann. Wenn es anstrengender würde, ginge der Puls hoch, was ja zu vermeiden ist. Man läuft dann also langsamer und ist trotzdem im Soll, gefällt mir :-).
Auf der Höhe der Stadthalle von Heidelberg, also deutlich weiter als erwartet, passiere ich die 25min-Marke mit 4,5km auf der Uhr und ich drehe um. Obwohl ich mir sicher bin, dass an dieser Stelle der Weg keine Steigung hat, fühlt sich das Laufen nun leichter an, wogegen ich mich nicht wehre. Wenn man der Theorie glauben darf, dass man Läufe immer im Streckenverhältnis 51:49 läuft (51% der Strecke läuft man in der ersten Hälfte der Zeit und 49% in der zweiten Hälfte), dürfte ich am Ende auf etwas unter 9km kommen. Mittlerweile habe ich leider ein wenig die Kontrolle über meinen Puls verloren. War es anfangs  noch mein Ziel, ihn in der Nähe von 147 zu halten, ging er mir gegen Ende der ersten Hälfte auf 150 hoch. Nun, zu Beginn der zweiten Hälfte, steigt er auf 154, was zu viel ist und meiner Motivation , schneller zu laufen, geschuldet ist. Ich versuche, gegen anzukämpfen, es bleibt bis zum Ende ein zäher Kampf. Der Rest des Laufes plätschert so vor sich hin. Ich fühle mich gut, hab keine Atem- oder sonstige Probleme, würde gerne schneller laufen, reiße mich aber zusammen und erreiche ca. 1,25km vor unserer Wohnung die 50min. Die restlichen Kilometer trabe bzw. gehe ich, um die Beine nicht abrupt zu entlasten.

Unter’m Strich stehen die erwarteten 8,9km bei einem Durchnittspuls von 152 (leider zu hoch) und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 5:37 min/km bzw. 10,7 km/h, was ganz ordentlich ist. Morgen ist Pause bzw. ich habe einen Termin für einen Laktattest, um meinen genauen maximalen Puls feststellen zu lassen. Mittwoch geht es dann weiter mit dem zweiten Lauf.