21,1km gegen den Inneren Schweinehund

Warum läuft man einen Halbmarathon? Warum tut man sich das an? Ca. 2h nichts anderes, als Fuß vor Fuß setzen, mal was trinken, mal langsamer laufen, mal schneller, aber auf jeden Fall immer nur laufen, laufen, laufen. Wieso man das macht, weiß ich nicht. Wie es sich anfühlt, weiß ich nun seit Sonntag. Barbara und ich haben das lange Anvisierte nun wahr gemacht und sind am vergangenen Sonntag den SAS-Halbmarathon gelaufen. Hier nun eine kleine Berichterstattung

Die Strecke
Welch Überraschung, sie ist 21,1km lang, führt von der Altstadt über Neuenheim, Philosophenweg, Ziegelhausen, Schlierbach und Schloss wieder in die Altstadt. Der Start befindet sich in der Friedrich-Ebert-Anlage, Ziel ist der Uniplatz. Zwischendrin läuft man durch Fußgängerzonen, auf Straßen und durch den Wald. Erwähnenswert sind zusätzlich die drei Anstiege. Der erste befindet sich auf dem Philosophenweges, den man über den Albert-Ueberle-Weg betritt. Anfangs knackig, lässt die Steigung bald nach und findet irgendwann im Wald ihren Höhepunkt. Die zweite Steigung ist auf Höhe des Klosters. Man läuft bergab aus dem Weld heraus, passiert das Kloster und prügelt sich eine wieder knackige Steigung hoch zur Straße Neuer Weg. Das zahlreiche Publikum und die Wasserstation oben motivieren aber ausreichend, um hier nicht hängenzubleiben. Die dritte Steigung wartet dann in der Nähe des Wolfsbrunnen auf die Läufer. Nachdem man ein Stück entlang der B37 gelaufen ist, biegt man links ab und läuft Richtung Wolfsbrunnen. Unübersichtlich und auch wieder steil quält sich der Weg dann hoch, bis er im Schloss-Wolfsbrunnenweg abflacht und nur noch mild steigt. Hier geht es dann vorbei an schicken Villen und dem Welde-Bierstand Richtung Schloss, von wo aus man dann bergab zum Uniplatz fällt. Optisch sieht es so aus:

Die Vorbereitung …wird ja bekanntlich überbewertet.
Aufgrund meiner Nasen-OP Anfang März und einer Knöchelprellung kurz vor Ostern sah die Vorbereitung so aus, dass ich 30km in den letzten zwei Monaten gelaufen bin, mehr ging nicht. Ein Probelauf zwei Tage vor den Halbmarathon über 6km ließen erahnen, dass es kein Spaziergang werden würde. Ich hatte mich daher darauf eingestellt, dass ich mehr mit Willensstärke den Lauf schaffen würde als mit Kondition. Das Ziel sah entsprechend aus: Ankommen, Zeit ist erst einmal zweitrangig.


Da war ich noch fit

Das Wetter
Der Vortag machte die Rhein-Neckar Region mit 30°C und Sonne glücklich, für mich aus Läufersicht ein Grauen. Die Aussichten für den Sonntag waren zwar nicht so extrem, aber mit 24°C immer noch arg warm. Tatsächlich hatte der Mann an der Wettermaschine ein Einsehen und ließ bis zum späten Vormittag keine Sonne durch die Wolken. Die Temperatur lag auch im Wohlfühlbereich, die Anstrengung war daher (von Seiten des Wetters) nicht zu hoch.

Der Lauf
Der Start war für 09:15 Uhr angesetzt. Damit sich die Topläufer nicht auf den ersten Metern mit mir und den anderen Freizeitjoggern rumschlagen müssen, gab es vier Startblöcke, die im Abstand von jeweils 5 min. an den Start gingen.  Barbara und ich waren im Wellnessblock 4, Startzeit 09:30 Uhr. Peng, los ging es. Die ersten Meter waren gleich ein Angriff auf unsere Moral. Viele andere Läufer hatten Hummeln im Hintern und preschten an uns vorbei. Wir entschieden uns gegen „los, nix wie hinterher“ und für „wenn denen nachher die Energie ausgeht, sehen wir sie alle wieder“. Folge dieser Taktik war, dass wir ziemlich schnell hinter uns nur noch ein paar Läufer und den Besenwagen (auch bekannt als Lumpensammler) hatten, der das Ende der Läufermenge darstellte. Wir konnten aber genauso schnell einen Diskretionsabstand auf- und ausbauen. Der Teil durch die Altstadt war angenehm, man lief sich in seinen Rhythms und an den Seiten standen einige Leute und jubelten einem zu (manche versuchten auch, einen aufzubauen, was nichts Gutes auf unser Erscheinungsbild so früh im Lauf schließen lässt). Dann ging es über die Alte Brücke und entlang der L534 nach Neuenheim. Hier passierten wir Familie Tündü und Phili, die uns zujubelten und anfeuerten. Unglaublich, wie so etwas beflügeln kann…


Wie viel von der Freude wohl gespielt war?!?

Nach Neuenheim ging es dann den Philosophenweg hoch. Hier hieß es das erste Mal „beißen, kämpfen, weiterlaufen“. Ohne angeben zu wollen muss ich sagen, dass ich erstaunlich gut mit der Steigung zurecht kam. Wir waren natürlich nicht so schnell wie die Feuerwehr unterwegs, aber deutlich schneller als Ameisen (und einige andere Läufer, die hier das Gehen bevorzugten). Der Philosophenweg führte uns in den Wald, wo keine schöne Aussicht, keine Zuschauer, nix ablenkte. Die Strecke war hier ein ewiges Bergauf-Bergab, was ziemlich an die Lunge ging. Nach einiger Zeit hatte ich mit argen Seitenstichen zu kämpfen, die ich aber zum Glück wegatmen konnte und von denen ich dank Barbara auch gut abgelenkt wurde.
Am Ende des Waldes wartete die zweite Steigung auf uns. Motiviert durch eine Zuschauerin, die meinen Namen unter meiner Startnummer gelesen hat und daraufhin „Komm Hauke, du schaffst es“ (an dieser Stelle vielen Dank), dem Getränkestand am Ende der Steigung und den Läufern, die hier wieder zum Überholen einluden, packten wir auch diesen Berg sehr gut und es ging im Anschluss gemütlich bergab nach Ziegelhausen. An dieser Stelle machten wir Bekanntschaft mit einem Läufer höheren Alters, der neben uns lief. Man kam ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er schon zig Marathons gelaufen ist, sein Highlight war dabei der Marathon auf Hawaii. Nun läuft er nur noch Halbmarathons, bald nur noch 10km-Läufe, dann 5km „und dann sterbe ich irgendwann“ (solide Lebensplanung, wenn ihr mich fragt).
In Ziegelhausen ging es über den Neckar nach Schlierbach, dort die auf dem Fußgängerweg entlang der B37 in Richtung Wolfsbrunnen, wo im Jägerpfad der letzte Anstieg auf uns wartete. Eine nicht enden wollende starke Steigung, die scheinbar erst flacher werden wollte, wenn genug Läufer die weiße Fahne rausgeholt haben. Mich packte wieder die Motivation und so liefen wir an den Läufern vorbei. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit wurde auch diese Steigung erträglicher, aber enden wollte sie nicht. Angenehmerweise haben einige Anwohner an diesem Teil der Strecke ihren Gartenschlauch am Straßenrand befestigt und sorgten für einen wohltuenden künstlichen Regen. Wer is bis zum Ende der Steigung geschafft hatte, wurde mit dem Welde-Bierstand belohnt, der mit (Alkoholfrei-)Freibier lockte. Wir konnten allerdings der Versuchung (und der damit verbundenen Kohlensäure im Magen) widerstehen und liefen weiter Richtung Schloss.
Vom Schloss aus war es dann ein Selbstläufer zum Genießen. Es ging nur noch Bergab in die Altstadt. Man konnte sich im wahrsten Sinne des Wortes gehen lassen und wurde unten von immer mehr Menschen am Streckenrand erwartet. Die letzten 1000m waren dann Genuss pur. Lauter jubelnde Menschen an den Seiten, die einen anfeuerten und vorwärts pushten. Einfach nur geil!
Nach 2:24:27 überquerten Barbara und ich die Ziellinie, k.o. (ich jedenfalls) und glücklich (wir beide).


So sehen Sieger aus


Der Lohn für die Mühe?

Fazit
Ich war überrascht, wie gut ich mit dem Lauf zurecht kam. Ich hatte zwar einige Wehwehchen während des Laufens, trotzdem habe ich es sehr genossen und denke sehr positiv an den Lauf zurück. Das Laufen zusammen mit Barbara lief dabei bestens. Wir sind noch nicht häufig zusammen gelaufen und ich bin normalerweise eine ander Geschwindigkeit gewöhnt. Aber ich hatte keine Probleme, fühlte mich bei der Geschwindigkeit sehr wohl und war froh, mit Barbara jemanden neben mir zu haben, die mich in den entscheidenden Momenten mitzog und motivierte (wenn auch wohl mehr unbewusst als bewusst).

Zu guter Letzt ein paar Danksagungen (is kitschig, ich weiß, aber hier auch berechtigt und mir ein Anliegen): Danke an die vielen Leute, die mich trotz Verletzung bestärkt hatten, diesen Lauf in Angriff zu nehmen. Ebenso Dank an die Tündüs, die uns klasse unterstützt und motiviert haben (vor und nach dem Lauf) und ganz lieben Dank an Phili, die an mich geglaubt hat und mir in der Vorbereitung das Gefühl gegeben hat, dass es geil und richtig ist, wenn ich laufe. Und zu guter Letzt DANKE an meine tolle Laufpartnerin Barbara, ohne die ich ganz einfach den Lauf nicht durchgehalten und wohl auch gar nicht in Angriff genommen hätte. MERCI!

Gruß
Hauke

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3 responses to “21,1km gegen den Inneren Schweinehund

  • Kathrin

    Ein sehr schöner Bericht, der einen in Versuchung führt/geführt hat, selbst einmal zu laufen?!

  • Peterson

    Hi,

    kurze Frage wie hast du mit dem Laufen angefangen? Bin gerade auf dem Tripp abnehmen zu wollen und da ist laufen die erste Wahl für mich! Aber traue mich noch nicht so richtig ran, da ich noch auf der Suche bin nach der richtigen Trainingsmethode. Denn einfach drauf loslaufen wird es ja auch nciht bringen!?

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