„Ich lauf doch nicht freiwillig so ne lange Strecke!“

Morgen ist es soweit, da laufen Bärbel und ich den HeidelbergerHalbmarathon.

Was mir vor knapp anderthalb Jahren noch völlig unmöglich, unnötig und ausgeschlossen erschien, wird morgen Realität. dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass ich morgen nicht die kompletten 21 und-ein-paar-zerquetsche Kilometer laufe. Meine Fitness lässt aktuell sehr zu wünschen übrig und das Wetter bietet mit Sonne und mehr als 20° C auch nicht gerade beste Bedingungen, aber egal, wir schaffen das!

Ich möchte hier mal versuchen, meine Lauf-bahn zusammenzufassen.
Ich laufe nun seit knapp einem Jahr. Eigentlich ist es erstaunlich, dass ich zum Laufen gekommen bin. Ein paar Mal hatte ich versucht, mich für diesen Sport zu begeistern, aber jeder Versuch endete, weil mir das Laufen zu sinnfrei und zu anstrengend vorkam (typischer Anfängerfehler, wie ich heute weiß). Den Auslöser und die Motivation brachte dann vor knapp einem Jahr dieser Artikel im Hamburger Abendblatt. Schlagartig hatte ich nur noch einen Gedanken im Kopf. „Das will ich auch erleben“. Und so wuchs die Motivation und der Wille und schnell startete ich meinen ersten Lauf. Zum Glück hatte ich die Geduld, mich langsam an größere Distanzen ranzuwagen, so wurden aus anfangs 3km bald 5, 6 und 7,5km. Und einies Morgens überraschte ich mich selber damit, dass ich mir vornahm, an dem Tag 10km zu laufen. Natürlich klappte es und ich ging danach geflasht von Glücksgefühlen zur Arbeit mit der Überzeugung in mir, dass ich noch weit größere Distanzen laufen kann. Das Ziel, einmal den Marathon in Hamburg zu laufen, war zu dem Zeitpunkt noch ein Traum, den es irgendwann mal zu realisieren galt. Heute ist dieser Traum ein Ziel, terminiert auf 2013.

Meine Läufe mit der Pulsuhr

Screenshot meiner Läufe mit der Pulsuhr

Hier ein paar statistische Werte zu meinen Läufen:

Kürzester Lauf
Der erste, logisch. Er ging über 3km, den Neckar entlang. Ich kann ihn nicht mehr genau datieren, er muss aber kurz nach dem Abendblatt-Artikel stattgefunden haben und diente erst einmal nur dem Kennenlernen des Laufens und des Laufgefühls.

Längster Lauf
Am 04.01.2012 bin ich das erste Mal die 20km angegangen. Es ging, wie so häufig entlang des Neckars, zuerst Richtung Neckargemünd, dort über den Neckar, dann entlang der Schnellstraße bis zum Bismarkplatz, dort wieder rüber und zurück. Es war ein geiles Gefühl, nicht zuletzt, weil ich am Ende nicht gänzlich erschöpft war.

Der tollste Lauf
Zweifelsohne war das der Lauf in Kalifornien am Abfahrtstag (13.10.12). Ich hatte mir fest vorgenommen, morgens am Strand zu laufen, barfuss im Sand. Es war früh morgens, 7 Uhr, und bis auf ein paar Surfer und Jogger war wenig los. Der Strandabschnitt war, weil nicht an der Straße gelegen, sogar fast menschenleer, es war angenehm kühl und die Sonne ging langsam auf. Die einzige Person, die ich traf, war ein Mann, der am Strand auf einem Stein saß und mit einem Kaffee in der Hand die Zeitung las (eine beneidenswerte Lebenshaltung). Da meine Pulsuhr zum zweiten Mal meinte, batteriebedingt den Geist aufgeben zu müssen, war ich frei von Distanz- und Zeitdruck und konnte einfach nur das Laufen genießen. Unter’m Strich ein wahnsinnig schöner Lauf.

Der Strand von Carlsbad am Morgen meines Laufes

Der enttäuschtenste Lauf
Da musste ich wirklich eine Weile überlegen, weil die Läufe allermeistens Spaß bringen. Aber einer war echt Mist. Ich bin ihn auch im USA-Urlaub gelaufen, in South Lake Tahoe. Daniel und ich wollten eigentlich zusammen laufen, aber der feine Herr hat es morgens wieder nicht ausm Bett geschafft :-), also bin ich alleine los. Aber es lief einfach nicht rund. Ich kam überhaupt nicht in meinen Rhythmus rein, so dass jeder Schritt zu einem Kampf wurde. Noch dazu konnte man nicht direkt am Lake Tahoe laufen, weswegen ich das Betonparadies der Hauptstraße wählte. Der Lauf ansich war dann auch relativ kurz und unbefriedigend. Erst Tage später fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren, was der Grund für diesen schlechten Lauf war: Der Lake Tahoe liegt auf knapp 7000ft, 2300m. Dass man bei der Höhenluft nicht seine normale Fitness hat, hätte mir klar sein sollen.

Laufdaten insgesamt
Distanz: bummelich 500km (110km aufm iPhone, 386km mit der Pulsuhr, beim Rest waren die Batterien mal wieder leer (die der Pulsuhr, nicht meine))
Zeit: bummelich 50h (10h 50min aufm iPhone, 37h 30min mit der Pulsuhr, Rest ->leere Batterie)
Anzahl der Läufe: bummelich 65 (20 aufm iPhone, 43 mit der Pulsuhr, zwei… genau)

Neben diesen ganzen Superlativen waren aber auch andere Läufe nennenswert. Ich erinnere mich gerne zurück an den Lauf morgens über die Golden Gate Bridge in San Francisco, zusammen mit Daniel. Wir sind früh aufgestanden, wie echte Amis mit dem Wagen zur Brücke hingefahren und dann losgelaufen. Sonnenaufgang, Bucht, angenehmes Wetter, es war saustark (Danke, Daniel!!!).
Bild der GGB am Morgen unseres Laufes
Bild der GGB am Morgen unseres Laufes

Auch in Erinnerung bleiben wird mir der erste Lauf über 10km. Er kündigte sich schon einige Tage vorher an. Ich hatte mich die Wochen davor kontinuierlich von 3km auf 7km hochgearbeitet, immer in 0,5-1km Sprüngen. Bei den letzten 2-3 Läufen vorher fühlte ich allerdings, dass ich 10km laufen möchte, weil ich wusste, dass ich das kann. Eines Morgens, fest geplant war wieder ein Lauf über 7,5km, nahm ich mir spontan vor, 10km zu laufen, einmal Ziegelhausen – Alte Brücke und zurück. Ich war überwältigt und stolz, als ich es dann auch geschafft hatte und ich berichtete im Büro Daniel stolz von meiner Leistung. Man, war das geil!

Darstellung meiner Hausstrecke am Neckar entlang

So, ich geh mal Startunterlagen abholen und mit Bärbel Pasta-Party machen

Gruß
Hauke

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6 responses to “„Ich lauf doch nicht freiwillig so ne lange Strecke!“

  • Anonymous

    mir fehlt in der gut beschriebenen Euphorie für den Laufsport noch die Differenzierung für das Laufgefühl .. das jeweils anders ist: vorher, während der Laufphasen und vor allem am Ende des Laufes. Das kannst Du ja mal in einer Beschreibung offen legen und/oder zusammenfassen.

    Komme gerade vom Kilometer 35, Deelböge und bin noch voll der Eindrücke: von den vorbeiziehenden Läufern, dem Aufbau, dem Publikum und unseren Helfer-Leuten vom NTSV. Immerhin war ich 5,5 Stunden am Streckenposten des 23. Abschnittes aktiv dabei, Waschwannen zu füllen, Bananen zu schneiden, zu transportieren, zu räumen – wo nötig, auch aufzuklaren, neues Material heranzuschaffen oder Reste zu entsorgen.

    Jau – das hatte doch wieder was .. aber die Fernsehfritzen auf dem Motorrad haben natürlich wieder OMA und OPA neben mir interviewt – aber nicht mich. Und natürlich den Beitrag auch gleich ins Nachmittagsprogramm gestellt. Uta und Miri waren bestens informiert, als ich abgekämpft und mit schmerzenden Knien zu Hause wieder eintraf.Ich bin eben nichts mehr gewöhnt – das dauerhafte Sitzen hat die Knie komplett erschlaffen lassen. Und ich bin mal 15 KM am Stück gelaufen !!! Grüßchens und besten Glückwunsch zum Erfolg
    Bernd

    Kleine Beigabe: obwohl die Sonne sich kaum blicken ließ, habe ich ordentlich Licht getankt. Sehe jetzt fast so aus, als wäre ich direkt aus dem Spanien-Urlaub zurück . . .

  • Daniel

    You the man! Ich muss den Dank zu 100% zurückgeben. Dass wir zusammen über die Golden Gate gejoggt sind, das werden wir mal noch unseren Enkeln erzählen, Alter! Saustarke Erinnerungen, Hauke! Schlag ein. Gimme five!!!! 🙂

    • Hauke

      Etwas lief richtig, wenn man an den ersten Worten erkennt, wer den Kommentar geschrieben hat :-).
      You, my over-the-GGB-jogging Buddy…

      Gruß
      Hauke

  • Peterson

    Also ganz ehrlich das Laufgefühl ist wohl bei jdem anders. Daher finde ich es viel erfrischender das beim Lesen eher die Lust am Laufen geweckt wird 😉 Mich hat es gepackt (hoffentlich). Habe gestern die erste Woche meines LAuftrainings begonnen auch wenn es nciht besonders viel war. 2x 5 Minuten. Sogibt es der Plan vor für Anfänger 😉

  • Peterson

    Ach so! Da gleich nochmal eine Frage an die Profis hier. Sofern ich das Training steigere brauche ich auch eine Pulsuhr. Doch jetzt bin ich auf allen möglich Seiten wie dieser http://fitness-vitamine.de/pulsuhren-im-test-der-stiftung-warentest/
    Auf den Test von der Stiftung Waren gestoßen. Könnt ihr mir denn eine empfehlen? HAbe sowas bi jetzt ncoph nicht gebraucht und daher habe ich keine Ahnung. Mir gefällt ja die Gar­min Forerun­ner 110 ganz gut, da sie auch GPS hat, weiß bloß nicht ob diese nicht erstmal zu übertrieben ist. Hoffe auf eure Mithilfe.

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