Befristete Vertragsverlängerung

Alle schönen Dinge kommen jährlich wieder: Weihnachten, Geburtstag, Ostern, Sommerferien, erster Sonnenbrand im Jahr. Alle unschönen Dinge kommen im Zwei-Jahres-Rythmus: Ein möglicher Wiederaufstieg von Werder Bremen nach einem (viel zu lange schon zurückliegenden) Abstieg wäre sowas. Oder eben der TÜV-Termin fürs eigene Auto. Wir haben den Passat seit knapp zwei Jahren und daher ist es eigentlich im April an der Zeit gewesen, bei den Männern vom TÜV Süd um eine Vetragsverlängerung für unseren Packesel zu buhlen, felsenfest davon überzeugt, dass er die ja auf jeden Fall verdient hat (merke: Das spielt gar keine Rolle).

Heute um 15:30 hatte er (und ich) daher ein Termin in der Dudenstraße in Mannheim. Schwer schwitzend fuhr ich überpünktlich auf den Hof (sechs Stunden direkte Sonneneinstrahlung auf schwarzen Lack lassen sich irgendwie nicht mit einer Klimaanlage binnen 10 min runterkühlen) und ging gut gelaunt zur Anmeldung. Mir gegenüber saß ein Herr mit mittelmäßig Laune, irgend etwas zwischen Sonnenschein und Beamten-Standby. In seiner emotional trockenen Art (ne Dürre ist ein Feuchtgebiet dagegen), erbat er den Fahrzeugschein und fing an, in bester zwei Finger-Geier-Sturzflug-Manier Daten in seinen PC einzuhacken. Nach kurzer Zeit blickte er auf: „Kommen Sie in zwei Jahren wieder?“ ‚Tschuldigung, ich will nen TÜV-Aufkleber aufkleben und keinen Zwei-Jahres-Plan aufstellen! Gute Erziehung siegt für gewöhnlich in solchen Situationen bei mir und ich erwiderte nur „Keine Ahnung, wieso?“ (zugegeben auch ein wenig erstaunt nach dieser unerwarteten Frage). – „Wir erlauben es uns, unsere Kunden nach zwei Jahren schriftlich an die nächste HU zu erinnern“. Das nenn ich mal Kundenorientiert, ich war schon wieder ertstaunt. „Ach so, toll. Aber leider weiß ich noch nicht, ob ich in zwei Jahren noch hier wohne“ – „Naja, wenn Sie meinen, dass es in Hamburg schöner ist…“ BAMM, eins zu null für den Hobby-Beamten, der Spruch brachte mich komplett ausm Konzept und ich sagte nichts mehr, gab ihm nur noch meine EC-Karte und wünschte im Hinausgehen einen schönen Tag.
Natürlich (und leider) war ich noch nicht fertig, jetzt ging es erst richtig los. Nach einer kurzen Wartezeit vor der Wartungshalle kam ein Mitarbeiter und nahm sich meiner (bzw. meines Autos) an. Er machte nen aufgetauteren Eindruck als der Kollege im Inndendienst von eben und ich schöpfte wieder Hoffnung auf nen neuen Aufkleber. Der gute Mann bewegte den Passat auf den Bremsprüfstand und quälte ihn, die Hand- und die Fusstrittbremse auf das Übelste (ich an meines Autos Stelle wäre schon zusammengebrochen). Offensichtlich hielten die Bremsen aber, was sie versprachen, und es ging weiter auf die Hebebühne. Hier lag das Augenmerk ganz offensichtlich auf der Vorderachse, oder kam es mir nur so vor. Der Prüfer bewegte den linken Vorderreifen, spielte mit dem Lenkradspiel, rüttelte an dem Rad (Finger, weg, der fällt doch noch ab!!!) und testete und testete und testete. Ich sag euch, der wollte da unbedingt was finden. „Kommen Sie mal kurz, ich muss (!!!) Ihnen etwas zeigen“. Er faselte irgendwas von „linkes Traggelenk“ (häää?), „Spiel“(Fussball???) und „will rausspringen“ (Selbstmord???). Ich nickte eifrig und wollte schon sagen „macht ja nichts, so lange er TÜV bekommt“, spürte aber, dass der Spruch in dem Moment nicht angebracht war. Der nette Mann ließ den Wagen wieder von der Hebebühne (wenn der Passat so ne Höhenangst hat wie ich, dann ist er da gerade gestorben) und fuhr ihn vor zum Abgas- und Dingsbums-Test. Zäpfchen in den Hintern (technisch gesprochen Sensor in das Auspuffrohr) und aufs Gas getreten. Leerlauf, erhöhte Drehzahl, Leerlauf, hohe Drehzahl, Leerlauf und der Computer zeigte das gleiche wie das Gesicht des Prüfers: Nichts Gutes. Zum Glück bin ich technisch völlig unbegabt und meine Deutung völlig falsch, denn nach gefühlten 20 Intervallen wurden die Anzeigen grün und der TÜV-Mensch (für mich nur noch Sado-Maso-Techniker) schloss den Test mit den Worten „das war ein wenig schwieriger“ ab. Nun erwartete ich eigentlich das Objekt meiner Begierde, den TÜV-Aufkleber. Aber ein Blick auf den Hauptuntersuchungsbericht und dem Satz „Ergebnis: erhebliche Mängel“ ließen mich erahnen, dass der Tag ohne neue Plakette zuende geht. Mir wurde nochmal erklärt, woran er gescheitert ist (hab ich gesehen: Am Rütteln am Vorderreifen, danke!) und dass ich einen Monat Zeit habe, den Missstand zu beseitigen. Ausserdem sollte ich langsam direkt in die Werkstatt fahren (langsam = weniger als 180km/h? Läuft! Direkt = übermorgen? Läuft!).

Ich ruf dann mal in der Werkstatt an…

Gruß
Hauke

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3 responses to “Befristete Vertragsverlängerung

    • Hauke

      Geht mittlerweile wieder :-). Der Wagen ist schon beim Onkel Doc, der macht ihn hoffentlich bis morgen wieder fit. Meinen Segen hat er.
      Freue mich schon darauf, morgen mit zig Schwitzenden in einer Bahn zu sitzen…

      Gruß
      Hauke

      • Dennis

        Dann hoffen wir mal, dass er nicht zu viele Scheine dafür sehen will 😉

        Weiter gute Fahrt mit dem Dicken!

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