Eine interessante Erfahrung

Phili und ich waren heut Abend auf der Eröffnung einer Foto-Ausstellung (nein, es war nicht meine Idee). Der Titel: „Die Hälfte des Himmels – 99 Frauen & Du„. Vorweg: Nein, es geht nicht um das Leben nach dem Tod aus der Sicht eines Mannes. Es ist eher das Gegenteil und deutlich ernstzunehmender.

Die Ausstellung zeigt Portraitfotos von 99 Frauen, die allesamt im Vorwege der Ausstellung interviewt wurden. Die Fragen lauteten unter anderem:

– Worauf sind Sie in Ihrem Leben stolz?
– Was ist für Sie das Schöne daran, eine Frau zu sein?
– Was haben Sie als Nachteil erlebt?
– Sind Sie jemals mit Gewalt in Berührung gekommen?
– Was wünschen Sie sich von der guten Fee, damit unsere Mädchen und Jungen in Würde leben können?

Die harten Fakten zu diesen Frauen:
– 23 dieser Frauen haben eine Vergewaltigung erlebt.
– 1 hat einen „Ehren“mordanschlag mit 26 Messerstichen überlebt.
– 9 haben Angehörige und enge Freunde in einem Krieg verloren
– 9 von ihnen haben schon einmal versucht, sich umzubringen.
– 5 haben schwere Kriegsgewalt mit ansehen müssen.
–  und noch viele weitere erschütternde Erlebnisse

Einige fotografierte Frauen waren an dem Abend vor Ort, einige richteten sich mit Gesang oder einer Rede an die Besucher der Ausstellung.

Die Ausstellung sollte keine Opferdarstellung sein, daher wurde auf eine Verbindungen zwischen Person und Schicksal verzichtet. Dies gelang zum einen durch die eben erwähnten Beiträge der interviewten Frauen, aber auch durch die Portraitfotos, auf denen die meisten der Frauen einem fröhlich erschienen. Meiner Meinung nach hat diese Ausstellung es super geschafft, für das Thema zu sensibilisieren und für die Anwesenden in den Fokus zu rücken. Aber auch die Strategie des nicht-als-Opfer-darstellen ging auf.

Wie man sich denken kann (was aber trotzdem schade ist), war ich einer der ganz wenigen Männer, die vor Ort waren (und die Anderen wurden sicherlich auch von ihrer besseren Hälfte „hergeschleppt“). Ich persönlich empfand die Stimmung in dem Raum als sehr merkwürdig. Subjektiv dargestellt war es ungefähr so: Man befand sich unter enorm vielen Frauen, einige von ihnen waren Opfer von Gewaltverbrechen geworden, viele (hoffentlich) nicht. Gewaltverbrechen werden meist von Männern verübt, Männer wie ich (wenn man es mal auf das Geschlecht runterbrechen möchte). Ich hatte das (sicherlich unbegründete nicht belegbare) Gefühl, dass ich als Mann in dem Moment vorsichtig sein musste, was ich sage oder auch nur denke, weil ich in der massiven Unterzahl war. Und dann fragte ich mich, ob genau dies das Gefühl ist, was Frauen in der Gesellschaft manchmal Männern gegenüber haben. Und alleine, um dieses Gefühl mal am eigenen Leibe zu erleben, hat sich der Besuch der Ausstellung schon gelohnt.

Gruß
Hauke

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: